Unsere Vision

Unsere jetzige und kommende Generation wird vom Klimawandel am stärksten betroffen sein. Wir brauchen eine grundsätzlich andere Klimapolitik und keine bloße Symptombekämpfung.

In der aktuellen Klimaschutzdiskussion haben die dafür notwendigen grundsätzlichen Reflexionen und Verhandlungen über den Lebensstil und -standard in den Industrieländern keinen Platz. Wenn Einzelne einen nachhaltigen Lebensstil pflegen ist das gut, aber nicht wegweisend um den globalen Wandel in seiner Dramatik zu bremsen: Die nationale und internationale Politik muss die großen Rahmenbedingungen setzen.

Wir Jugendverbände wollen unsere Forderungen an die UN-Klimakonferenz in den Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung stellen, die für mehr steht, als die Abläufe in der jetzigen Welt sauberer und CO2-ärmer und damit effizienter zu machen.

Wir wollen mündig handeln können: Nicht nur ökologisch verträglich(er) zu leben, sondern uns bewusst sein, dass unser (indirektes) Handeln negative soziale Implikationen, insbesondere in Ländern des globalen Südens, hat.

System change – not climate change!

Für uns heißt Nachhaltige Entwicklung, dass wir in Politik und Gesellschaft hinterfragen, wo soziale und ökologische Maßstäbe wirtschaftliches Handeln beschränken müssen. Wir brauchen eine Wirtschaft, deren oberstes Ziel das Gemeinwohl ist und nicht Gewinnmaximierung.

Um die heutigen und zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels adäquat zu lösen, ist eine dafür geeignete Nachhaltigkeitsstrategie gesucht. Die heute so oft praktizierte Effizienz ist die schwächste Strategie. Wir sind der Überzeugung, dass ein weniger Mehr ist, um besser (und umweltverträglicher) zu leben. Suffizienz als Strategie in einer nachhaltigen Entwicklung stellt die Frage nach dem „Wie viel ist genug?“ und wird von uns klar unterstützt.

Wir sind der Überzeugung, dass sich ein CO2 -Verbrauch pro Kopf in Deutschland, der fünf Mal so hoch ist wie beispielsweise in Indien nicht reduzieren lässt, ohne an der Wachstumsmaxime zu rütteln. Wir wollen langfristig ein Gesellschaftssystem etablieren, das ohne Wachstum auskommt. Wohlstand ist wachstumsunabhängig. Damit meinen wir die mengenmäßige Steigerung der Produktion, des Umsatzes, der Zahl der Beschäftigten eines Unternehmens, der Auswahl an Produkten und unseren Verbrauch.

Wir haben uns die Erde nur von morgen geliehen!

Wir wollen ehrlich, kreativ und kritisch hinterfragen, was wir brauchen, um ein erfülltes Leben zu führen – ohne ein gutes Leben im globalen Süden oder das zukünftiger Generationen zu gefährden. Zusätzlich vertreten wir die Meinung, dass die Länder, die am meisten von den Früchten der Industrialisierung profitieren, für den Ausstoß an Emissionen und deren Folgen verantwortlich ist.

Wir fordern einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs über sozial-ökologische Alternativen, den hiermit anstoßen möchten.

It’s our fucking future! Es geht um unsere verdammte Zukunft!

Gerade wir jungen Menschen sind es, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen sein werden. Die Entscheidungen von heute betreffen uns direkt, daher möchten wir gehört werden und am Entscheidungsprozess teilhaben.

Forderungen an die COP21 in Paris

  • Hört uns zu!

  • Die Weltgemeinschaft muss Verantwortung für Klimaschäden übernehmen, dazu ist eine verpflichtende Finanzierung des (internationalen) Klimafonds durch die Staaten des globalen Nordens und weiteren Hauptemittent*innen zu beschließen, um direkt vom Klimawandel betroffene Menschen/Länder zu unterstützen (Umsiedlung, soziale Konflikte nicht zu lassen, Flüchtlinge aufnehmen). Der dafür 2014 durch die Industriestaaten beschlossene internationale Klimafonds ist bereits ein erster Schritt – und trotzdem nicht ausreichend. Die Staaten des globalen Nordens müssen erkennen, dass Investitionen in den Klimaschutz heute weit kostengünstiger sind als künftige Anpassungen an die Auswirkungen und Schadensausgleichungen des Klimawandels.

  • Wir fordern ein Klimaabkommen mit verbindlichen Reduktionszielen unter Einbeziehung aller Industriestaaten und Schwellenländer. Dazu gehört der Abbau aller Subventionen von fossilen Energien. Auch klar: Atomkraft ist keine Alternative.

  • Europa muss Vorreiterin sein – Die EU hat sich bisher auf das Ziel von 40% CO2-Reduktion bis 2030 gegenüber dem Jahr 1990 geeinigt. Für die einzelnen Mitgliedsstaaten sind diese Ziele allerdings nicht verbindlich. Wir fordern eine verbindliche Reduktion der europäischen Treibhausgasemissionen um mindestens 50 % in allen EU-Ländern und ein für jedes Land sinnvolles Referenzjahr!

  • Der europäische Emissionshandel sieht vor, die energieintensiven Industriezweige (Automobil-, Chemiebranche) zu einer Reduktion des CO2 -Ausstosses zu führen. Dazu muss die Menge der Zertifikate massiv eingeschränkt werden. Der Emissionshandel kann nur ein Brückeninstrument für eine langfristig effektivere Maßnahme sein, industriellen CO2-Austoß zu reduzieren. Dabei sind Reboundeffekte schon im Vorhinein zu vermeiden.

  • Wir fordern Suffizienz als Strategie in eine nachhaltige Entwicklung!

Forderungen nationale Klimapolitik

  • Hört uns zu!

  • Ein Kohleausstieg bis spätestens 2025 muss gesetzlich verankert werden. Dies darf nicht zu einer Renaissance der Atomkraft führen. Atomenergie ist keine klimafreundliche Alternative.

  • Erneuerbare Energien müssen konsequent marktfähig werden. Bis 2020 soll die Hälfte des Stroms aus regenerativen Energien kommen. Dazu darf die Förderung regenerativer Energien und des notwendigen Netzausbaus nicht rein auf Kosten der Verbraucher*innen gehen, sondern geschieht verstärkt durch Industrie und Energieerzeuger*innen.

  • Investitionen in dezentralen Ausbau von regenerativen Energien durch Stadtwerke und kleine Bürger*innen-Energieunternehmen sind momentan durch Probleme beim Netzzugang und dem Verfall von CO2-Zertifikaten extrem gehemmt und müssen besser gefördert werden, beispielsweise durch eine erneute Novellierung des EEG.

  • Wir fordern eine ökologische Finanzreform – wie Ausnahmen für Unternehmen abzuschaffen (wie beim EEG), ein bundesweites Energiespar- und Gebäudedämmungsprogramm, den Abbau der Subvention von Dienstfahrzeugen und fossile Energien stärker zu besteuern und den Ausbau der Ökosteuer.

  • Wir fordern eine Stärkung der Kommunen und Förderung der eigenen Unabhängigkeit in Sachen (regionale) Energie- und Ernährungssouveränität.

  • Wir sind gegen die Nutzung von Biokraftstoffen der ersten Generation aus ethischen und naturschutzbiologischen Gründen: Wir wollen Lebensmittel nicht verfeuern und den Verlust der Biodiversität verlangsamen. Wir fordern die Berücksichtigung des indirect landuse change Faktors beim Handel mit nachwachsenden Rohstoffen.

  • Energieeffizienz allein reicht nicht um Emissionen einzusparen. Suffizienz, die Frage nach dem Genug, muss in der Diskussion um Energienutzung und Lebensstile einbezogen werden.

Forderungen Klimapolitik Baden-Württemberg

  • Baden-Württemberg soll bis 2025 zum Klimamusterland gemacht werden, in welchem die Politik und Wirtschaft ihre Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen. Dazu müssen in allen großen Emissionsbereichen ambitionierte Klimaschutzziele und -pläne entwickelt werden.

  • Wir fordern die Entwicklung eines Verkehrsplans für Baden-Württemberg mit dem Ziel der Reduzierung des Individualverkehrs und Ausbau des ÖPNVs und den weiteren Ausbau von CarSharing und Pendler*innenbörsen.

  • In öffentlichen Einrichtungen und staatlichen Institutionen soll vegetarische-vegane Ernährung ausgebaut und gefördert werden.

  • Durch eine Stärkung der Kommunen sollen Energiegenossenschaften möglich gemacht werden.

Stand: 22.10.2015

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